Der Tunnel

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Die Klagemauer ist ja nur ein Stück westliche Begrenzungsmauer für das Tempelplateau. Crazy Herodes hatte zu Zeiten Jesu den zweiten Tempel (der nach der babylonischen Zerstörung wieder aufgebaut wurde, aber recht klein war), „renoviert“, aber ein bisschen grösenwahnsinnig. Zur damaligen Zeit gab es auf der gesamten bekannten Zivilisation wohl keinen grösseren Tempel. Da der Berg Moriah ein wenig bucklig ist, mussten für das Fundament erst Tonnen von Material angeschüttet werden. Dieses Plateau ist bis heute der sogenannte Tempelberg.

Aus rein statischen Gründen benötigte das aufgeschüttete Plateau aber eine Stützmauer, deren längere Seite über 450 m lang ist. Einen kleinen Teil davon kann man sehen: das ist die Klagemauer.

Nach jüdischer und muslimischer Tradition hat Abraham auf diesem Berg seine Prüfung (er sollte seinen Sohn opfern) bestanden. Hier soll auch der Ort sein an dem die Welt entstand, also eine koshere Version der „big bang theorie“… Über einem besonderen Stein auf diesem Territorium stand dann seinerzeit das Allerheiligste des ersten und des zweiten Tempels.

In den letzten Jahren haben an der Nordseite dieses Mauerstücks Ausgrabungen stattgefunden. Man hat die herodianische Befestigungsmauer einfach in ihrem Verlauf verfolgt und konnte grosse Teile hiervon freilegen. Dazu musste man natürlich nicht nur weit, sondern auch tief graben und so führt der jetzt für Besucher begehbare Tunnel direkt unter das muslimische Viertel. Genau genomen stehen wir dann auf original römischem Marktplatzboden vor den Toren des ehemaligen Herodestempels. Direkt über uns tobt heute das Leben auf der via dolorosa, die „von unten betrachtet“ wie ein Gewölbeboden aussieht. Wie die entstanden sind ist eine andere Geschichte… Die Mamluken waren’s.

Anlässlich dieser Ausgrabungen hat man auch viele jüdische Reinigungsorte (Mikwes) gefunden, die aus der Zeit Jesu stammen müssen und ein guter Beleg für jüdisches Leben in dieser Zeit sind.

So macht Geschichte Spass: Schicht um Schicht nach unten klettern und die Jahrhunderte „begreifen“.

Nach gut 90 Minuten, also einige Jahrhunderte und ein paar Meter weiter tauchen wir dann in einem unscheinbaren Türchen im muslimischen Viertel auf.

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