Ein denkwürdiger Mittag

Heute habe ich die lange City-Tour gebucht. Gestern hatte ich an der kostenlosen 2-Stunden Tour teilgenommen und Ryan (aus Texas) kann Geschichte so lebendig erzählen – das ist wirklich jede Mühe wert! Er hat Archäologie und so etwas wie Kulturanthropologie studiert und lebt seit über 10 Jahren in Jerusalem („um diese 4 Quarters zu verstehen muss man mindestens 4 Jahre hier leben“).

Haupgrund für meine Entscheidung: Ryan kennt bessere Möglichkeiten, eventuell doch den sogenannten Tempelberg zu besichtigen – besonders natürlich den Felsendom (nicht zu verwechseln mit der Al-Aqsa-Moschee, die steht daneben und muss vor dem Besuch des Reliquien-Doms erst besucht werden).

Für „Ungläubige“ ist heute von 12.30 bis 13.30 Einlass. Der Eingang zur Holzbrücke ist direkt am Vorplatz der Klagemauer. Wir sind sehr pünktlich da; Ryan klärt schon mal die Konditionen heute. Wir dürfen noch eben zur Klagemauer („aber sagt das hier nicht, das hört man nicht so gern – ihr seid offiziell zur Toilette gewesen“). Lange Schlangen, 45 Minuten Wartezeit in der wunderschönen Sonne mit peinlich genauer Kontrolle. Dann noch mal einige Minuten Verzögerung, weil eine Teilnehmerin aus unserer Gruppe einen langen Rock trug dessen seitlicher Schlitz für den Geschmack der Sittenwächter zu lang war. Also noch ein grosses Tuch drumrum gebunden. iPads, jegliche religiösen Symbole wie kreuzförmiger Schmuck, dem Davidsstern ähnliche Symbole, Bibeln, Kippa etc. sind strikt verboten – auch tief unten im Rucksack oder in der Hosentasche. Alles das musste schon vor Beginn der gesamten Tagestour zur Verwahrung abgegeben werden. Das iPad Verbot kam erst kürzlich hinzu weil man bemerkt hatte dass Bibeln auch als App gelesen werden könnten… Dahinter steht das strikte Verbot für alle Nicht-Muslime, auf diesem Terrain zu beten.

Dann endlich – wir sind auf Heilgem Boden. Der Felsendom sieht wirklich gut aus. Und dann zwei Überraschungen, über die ich mich hier nicht so auslassen möchte. Seht die Bilder und entscheidet selber, ob ihr das erwartet hättet auf einem der heiligsten und umstrittensten Quadratmeter dieser Erde, für die wir uns ja so rigoros haben vorbereiten müssen.

Die zweite Überraschung: kaum haben wir den Eingang passiert, werden wir schon wieder vom Platz gejagt. Die Stunde ist vorbei für heute… Die Fotos sind alle unter Zeitdruck und Bewachung entstanden, teilweise sogar im Vorbeigehen.

Die Sicherung des Platzes teilen sich übrigens (bewaffnete) isralische Kräfte und (unbewaffnete) muslimische Sittenwächter, darunter scheinbar auch Jugendliche, siehe Foto.

Ich stelle einfach ein paar Bilder ein. Wie ich mich an diesem Nachmittag gefühlt habe könnt ihr mich ja irgendwann persönlich fragen…

Nur soviel: mein ganz persönlicher begrenzter subjektiver Eindruck von der jüdischen Gemeinschaft und auch den christlichen Denominationen hier: ich habe Ehrfurcht vor Gott und dem Heiligen wahrgenommen – und Respekt den Menschen gegenüber.

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